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Interview mit Christine Feher

Seid wann schreiben Sie ?

– So kleinere Sachen, Kurzgeschichten, Gedichte etc. eigentlich schon seit meinem 16. Lebensjahr. Professionell aber erst seit ca. 6 Jahren.

Haben sie schon als Kind bzw. Jugendlicher gerne geschrieben und gelesen ?

– Ja, beides. Gelesen habe ich immer viel, geschrieben siehe oben, hatte aber in der Schule auch meistens sehr gute Noten bei Aufsätzen etc.

Wie sind Sie zum schreiben gekommen ?

– Es war ein Jugendtraum von mir, Bücher zu schreiben, mit 19 habe ich auch mal ein längeres Manuskript verfasst, aber nie gewagt es an Verlage zu schicken. Später habe ich dann einen Fernlehrgang in Kreativem Schreiben absolviert, bei dem ich viel schriftstellerisches Handwerk und Technik gelernt habe. Von da an war es nicht mehr schwer, Verlage auf meine Texte aufmerksam zu machen. Im Februar 2001 erschien mein erstes Kinderbuch „Komm mit zum Ballett“ im Verlag Kerle bei Herder.

Können Sie vielleicht eine kleine Story zu einer ihrer Bücher erzählen, die sie für Lustig oder wichtig erachten ?

– Mein erster Jugendroman „Dann bin ich eben weg“ beruht ja z.T. auf eigenen Erfahrungen, da ich selbst mal gefährdet war, an Magersucht zu erkranken. Während ich schrieb merkte ich, dass ich drauf und dran war, wieder in das alte Fahrwasser gestörten Essverhaltens zu rutschen. Teilweise habe ich das Buch aber auch absichtlich hungrig geschrieben, um mich noch einmal ganz in die Seele einer Magersüchtigen einzufühlen. So habe ich tatsächlich in der Zeit etwas abgenommen. Diese Kilos sind aber zum Glück längst wieder drauf!! — Noch eine Story zu „Straßenblues“: An der Hauptschule hatte ich mal einen Schüler und eine Schülerin, die von irgend einem Zeitpunkt an immer seltener zum Unterricht erschienen und keiner wusste richtig, was mit denen los ist. Den Jungen habe ich etwas später mit einer halb leeren Cognacflasche und ein paar anderen Jugendlichen bei McDonalds gesehen, er tat aber so, als ob er mich nicht kennt. Ich fand es schlimm, dass wir als Lehrer so wenig Möglichkeiten (und auch Zeit) hatten, solchen Kids zu helfen. So entstand die Idee zu dem Buch.

Was wollen Sie mit ihren Büchern erreichen ?

– Ich möchte auf unterhaltsame Art zum Nachdenken anregen; dazu ermutigen, mal über den eigenen Tellerrand zu schauen um wahrzunehmen, wie es anderen geht, Randgruppen, Ausgestoßenen, Jugendlichen mit psychischen Problemen oder anderen Schwierigkeiten in ihrem Umfeld. Für solche Personen möchte ich mit meinen Romanen Verständnis wecken und Toleranz und das Faszinierende an ihnen herausarbeiten.So habe ich auch schon oft bestätigt bekommen, dass Menschen die Problematik einer Magersüchtigen, eines Straßenkindes, eines Transsexuellen und einer jugendlichen Schwangeren nach der Lektüre meiner Bücher mit anderen Augen sehen.

Schreiben sie für eine Bestimmte Person ?

– Die wichtigste Zielgruppe meiner Jugendbücher sind Mädchen, aber auch Jungen ab von ca.13-18 Jahren. Je mehr andere Leute sich jedoch auch davon angesprochen fühlen, umso besser.

Sie schreiben Kinder und Jugendbücher, meinen sie, dass die Bücher bei ihrer Zielgruppe ankommen ?

– Ja, das bekomme ich immer wieder durch Gästebucheinträge auf meiner Homepage und e-mails von Jugendlichen bestätigt. Kinderbücher für Jüngere habe ich jetzt schon länger nicht mehr geschrieben.

Wie sind sie eigentlich auf die Idee gekommen für diese Gruppe der Bevölkerung zu schreiben ?

– Das geschah, nachdem ich meinen Mann geheiratet hatte, der schon zwei Kinder im Grundschulalter mit in die Ehe brachte. Die beiden fühlten sich damals ziemlich stark hin- und hergerissen zwischen ihrer Sympathie zu mir einerseits und Loyalitätskonflikten ihrer Mutter gegenüber andererseits. Ich habe versucht mir vorzustellen, wie es wohl gerade für ein Mädchen sein muss, wenn es in die Pubertät kommt und mit der Trennung ihrer Eltern und einer neuen Partnerin des Vaters klarkommen muss. Dies habe ich versucht als Jugendroman aufzuschreiben. Das Buch ist zwar nie erschienen, aber vom Stil her fanden die Verlage es trotzdem gut, und so blieb ich im Jugendbuchbereich hängen, und zwar gerne.

Wenn sie Schreiben, was empfinden Sie dann dabei ?

– Ich schlüpfe richtig in meine erfundenen Figuren hinein, ähnlich wie ich es mir bei einer guten Schauspielerin vorstelle. Es fasziniert mich, dann jemand ganz anderes sein zu dürfen, den Personen Leben einzuhauchen.

Würden Sie sagen das es bestimmte Themenbereiche gibt wo einen Frau/ein Mann besser drüber schreiben können ?

– Mein Buch „Elfte Woche“, in dem die Hauptperson eine 15jährige Schwangere ist, wäre für einen Mann sicher schwieriger zu schreiben gewesen, zumindest in den Passagen, wo es wirklich um die Schwangerschaft aus Carolins Sicht geht. Ebenso sind Probleme in der Liebe aus Jungensicht sicher von einem Mann als Autor authentischer. Es gibt natürlich auch Autorinnen und Autoren, die beides können; ich könnte aber auch z.B. keine wissenschaftlichen Themen aus den Bereichen Physik, Chemie etc. in Romanform bearbeiten. In diesen Bereichen bin ich einfach eine Niete, was natürlich nicht unbedingt was mit dem Geschlecht zu tun hat.

Wie sind sie zu ihren Verlag gekommen und sind sie mit diesen zufrieden ?

– Mehrere Verlage haben mich angerufen, nachdem ich damals das Manuskript zum Thema „Scheidungskind“ verfasst hatte. Am engsten arbeite ich heute mit Patmos zusammen und bin sehr zufrieden. Die Leute dort sind sehr nett und ich fühle mich außerordentlich gut behandelt.

Wenn sie ihren Verlag beschreiben müssten, wie würden sie das tun ?

Freundschaftlich, kompetent, ermutigend, fair, zuverlässig, tüchtig etc.

Könnte es für sie einen Grund geben der Sie dazu bringen würde mit dem Schreiben aufzuhören ?

– Wenn ein sehr naher Angehöriger mich aus irgend einem Grund rund um die Uhr bräuchte, oder wenn ich absolut erfolglos wäre.

Haben sie eine Ausbildung gemacht zum Schreiben oder geht das alles so ?

– Ich habe den Kurs „Belletristik“ bei der Hamburger Akademie für Fernstudien absolviert. Sicher gibt es aber auch Naturtalente, die das alles „so“ können, viele dieser Autoren haben aber Literaturwissenschaften o.ä. studiert. Mir hat der Kurs viel genützt, so habe ich gelernt, wie man z.B. Dialoge schreibt, sich auf das Wesentliche beschränkt, lebendig beschreibt etc.

Erzählen Sie doch bitte noch etwas zu ihrer Person.

– Ich bin 1965 im Sternzeichen Wassermann geboren und in der Berliner Innenstadt (West) aufgewachsen, lebe jetzt etwas außerhalb von Berlin mit meinem Mann, unserer elfjährigen Tochter Julia und den beiden großen „mitgeheirateten“ Kindern, die inzwischen schon 19 und 23 Jahre als sind. Im Herzen bin ich aber immer noch Berlinerin, träume davon, eine ganz kleine eigene Wohnung mitten in der Stadt zu haben, die ich nur zum Schreiben nutzen würde. Das kann ich mir aber nicht leisten. In meiner Freizeit treffe ich gern meine besten Freundinnen, stricke, höre Musik (am liebsten ABBA), gehe gern ins Kino um mich durch die Gefühle, die die Filme in mir auslösen, zu neuen Büchern inspirieren zu lassen. Insgesamt bin ich ziemlich ausdauernd, zäh und belastbar, kann aber, wenn es allzu hektisch wird, auch aufbrausend und ungerecht werden, was mir hinterher gleich wieder leid tut. Ich esse sehr gern chinesisch oder leckere Salate, trinke abends gern Sekt oder Wein in Maßen, brauche Kaffee zum Wach werden, verabscheue aber Zigaretten.

Haben sie vielleicht noch etwas was ihnen wichtig ist und das sie uns mitteilen möchten ?

– Nee, das Interview ist auch so schon lang genug )

Ihr Buch „Strassenblues“ behandelt das Thema Straßenkinder, wie sind sie auf dieses Thema gekommen ?

– Siehe vierte Frage („Storys“), aber auch weil man in Berlin solche Straßenkids einfach oft sieht, wie sie da mit ihren Hunden am Alex lagern … Ich habe mich gefragt, was das wohl für Schicksale sind; was haben die für ein Zuhause, wenn sie das Leben auf der Straße vorziehen?

Ist die Hauptperson nur erfunden, oder gibt es sie wirklich ?

– Maxi ist erfunden, ich habe aber Erlebnisse und Gefühle, von denen ehemalige Straßenkids mir erzählt haben, in veränderter Form eingearbeitet.

Das Thema, dass die Kinder nicht mit dem neuen Lebenspartner klar kommen und deswegen abhauen, ist ein immer aktuelles Thema, war es leicht darüber zu schreiben ?

– Bücher zu schreiben ist nie leicht, egal über welches Thema. Aber viele Kids hauen auch aus ganz anderen Gründen ab, zu viel Kontrolle, Sehnsucht nach Unabhängigkeit, aber auch sog. Wohlstandsvernachlässigung etc.

Hatten sie irgendwann einmal Zweifel das Buch fertig zu stellen, als sie es geschrieben haben ?

– Nein, in keiner Sekunde. Eigentlich hatte ich alles die ganze Zeit über klar vor Augen.

Wollen sie noch etwas wichtiges über das Buch erzählen ?

– Maxi und Ronny aus dem Buch sind die Figuren, die ich vielleicht am meisten von allen meinen Romanfiguren mag. Vielleicht gerade weil sie die kaputtesten und unangepasstesten sind. Aber wenn meine Tochter so wäre, hätte ich trotzdem ein Problem

Wenn sie die Literatur bestimmen könnten, die in der Schule gelesen wird, welche Bücher würden Sie wählen ?

– Die Lehrpläne sollten ganz allgemein viel offener sein für moderne Bücher heutiger Autoren und nicht ewig nur die Klassiker durchkauen.

Haben sie ein bestimmtes Motto ?

– Mehrere: „Behandele jeden so, wie du selbst von ihm behandelt werden möchtest“ (Jesus); „Carpe Diem“ = Nutze den Tag, oder um mit einem Song der z.Zt so angesagten Newcomerband Tokio Hotel zu sprechen: Leb' die Sekunde!!

Finden sie, dass die Jugend zu wenig liest ?

– Ich würde eher sagen, das Leseverhalten hat sich verändert, da es sich viel auf den Computer verlagert hat. Wir sind früher in die Bücherei gegangen, um uns Informationen zu beschaffen, wenn uns etwas interessiert hat, heute durchforsten die Kids das Internet. Das finde ich überhaupt nicht negativ. Allerdings glaube ich schon, dass insgesamt auch weniger Kinder- und Jugendromane gelesen werden als vielleicht noch vor 20 Jahren, und das finde ich schon schade, weil die Kids sich dadurch um den Genuss bringen, in ihren Köpfen eine andere Welt entstehen zu lassen. Obwohl – das stimmt auch nicht, sie lesen ja alle Harry Potter. Meine Tochter z.B. liest aber nur abends vorm Einschlafen, nie mal einfach so zwischendurch, da sieht sie lieber fern. Ich habe früher nach der Schule immer gelesen, weil ich einfach die Ruhe brauchte, die man dabei hat. Viele Kids empfinden Lesen viel zu sehr als Anstrengung denn als Entspannung.

Haben sie vielleicht noch etwas was ihnen wichtig ist und das sie uns mitteilen möchten ?

– Diese Frage kommt hier doppelt vor, das Interview ist immer noch lang genug und die Fragen sind so gestellt, dass glaube ich erst mal alles Wichtige drin ist ))

Vielleicht haben sie ja noch ein paar Fragen, auf die Sie eigentlich immer warten, die aber nie gestellt werden. Würden sie diese Fragen uns verraten und uns auch gleich die Antworten darauf geben ?

– Was müsste sich am Beruf des Schriftstellers verändern? Antwort: Die Bezahlung, als der prozentuale Anteil, den man für verkaufte Bücher bekommt. Der ist so gering, dass man eigentlich immer einen Bestseller braucht, der gleich verfilmt oder zumindest in mehrere Sprachen übersetzt wird, um davon leben zu können.

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