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Lesungen

Letztens habe ich in der Zeitschrift Das Magazin einen interessanten Artikel über Lesungen gelesen. Es ging darum, wie diese Lesungen gestaltet werden und welche Atmosphäre dadurch vermittelt wird. Und es ging darum, als was man Lesungen ansieht. Ist es etwas, was zum Lesen und zum Buch dazugehört, oder ist es etwas, was zusätzlich zum Buch angeboten wird? Die Frage ist zwar interessant, aber mich hat doch eher der andere Aspekt interessiert. Denn der Aufbau einer Lesung ist sehr wichtig, so empfinde ich das jedenfalls.

Ich war ja am Anfang des letzten Monats bei einer Lesung, auf der sehr viele Gedichte vorgelesen wurden. Im Bericht dazu hatte ich ja schon gesagt, dass mir die Umsetzung nicht gefallen hat. Dafür wurde der Artikel übrigens sehr schlecht bewertet und es wurde mir gesagt, dass man nur zu der Lesung gegangen ist, um die Gedichte zu hören. Aber ist das wirklich der Sinn einer Lesung? Will man nur Gedichte hören und vom Autor selbst gar nichts erfahren? Meiner Meinung nach ist es wichtig viel über den Autor zu erfahren, wenn dieser Gedichte schreibt und diese auch veröffentlicht. Wir machen nun einmal nicht dieselben Erfahrungen im Leben, wir haben andere Verknüpfungen im Kopf und fühlen auch nicht genauso, wie der Autor fühlt. Wenn dir aber dann 10 Gedichte eines Autors oder einer Autorin innerhalb von 15 Minuten an den Kopf geworfen werden, ohne von der Autorin etwas zu wissen, dann können diese Gedichte nicht wirken, sie können nicht das erzielen, was die Autorin damit vermitteln möchte.

Dieses Beispiel zeigt, wie wichtig der Aufbau einer Lesung ist. Wenn sich die Autorin oder der Autor nicht damit aufhalten will, sich den anwesenden Zuhörern kurz vorzustellen und kurz zu erläutern, in welcher Stimmung das Gedicht entstanden ist, welche Gefühle er damit verknüpft, dann sollte er einen kleinen Steckbrief über sich anbieten. Damit kann sich der Zuhörer wenigstens ein wenig in den Autor hinein versetzen, und somit auch die Gedichte viel besser verstehen. Viel spannender wird eine Lesung aber noch, wenn der Autor sich kurz vorstellt, und wenn er dem Zuhörer nach jedem gelesenen Gedicht eine kurze Pause lässt. Diese kann er füllen, indem er kurz über das Gedicht spricht oder auf das nächste vorbereitet. Damit kann man Atmosphäre schaffen, den Zuhörer mit ins Schiff holen und ihm die Möglichkeit geben, die Gedichte auch zu verstehen. Aber das gilt natürlich nicht nur für Lyrik. Auch einer der Prosa schreibt, kann sich mit dem Zuhörer unterhalten, kann ihn aktiv mit einbauen in das Geschehen. Dazu bedarf es nicht immer der Visualisierung mit bewegten Bildern oder anderen Effekten. Das kann ablenken, muss aber nicht. Wichtig sind vielleicht auch noch das Licht und die Möbel. 3 Stunden im grellen Licht sitzen zu müssen, da würde ich mir vorkommen wie in der Schule und wahrscheinlich würde mich das Licht auch irgendwann so verrückt machen, dass es mich von der Lesung ablenkt. Und auch die Sitzmöglichkeiten sollten so gewählt werden, dass man hier auch eine längere Zeit drauf sitzen kann.

Das ist meine Meinung zu dem Thema. Mich würde aber eure Meinung interessieren! Liege ich wirklich so falsch mit meiner Einschätzung über das Vorlesen von Lyrik? Ist euch Hintergrundwissen nicht wichtig? Geht ihr nur zu Lesungen, um aus dem Werk vorgelesen zu bekommen, oder ist euch auch der Autor wichtig, wollt ihr auch über diesem etwas erfahren?

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