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Alles Grün und Gut? Eine Bilanz des ökologischen Denkens

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Mülltrennung, LED-Beleuchtung, energieeffiziente Geräte – ja, ich gebe es zu, ich bin auch dem Ökowahn verfallen. Aber es gibt Dinge, die kann ich überhaupt nicht verstehen. Menschen zum Beispiel, die sowohl gegen Atomkraft sind, aber auch Windräder ablehnen. Oder die Gentechnik, ein absolutes Streitthema, bei dem es immer Verlierer gibt. Entweder bist du selbst der Verlierer, weil du ausgegrenzt wirst, wenn du für Gentechnik bist, oder es verlieren die Menschen, die durch Gentechnik profitieren könnten. Deswegen fand ich auch das Buch „Alles Grün und Gut?“ interessant, welches von Dirk Maxeiner und Michael Miersch verfasst wurde. Ich kannte beide Autoren vorher nicht, und lies mich deswegen einfach mal auf das Buch ein.

Eine Bilanz oder eine Abrechnung?

Das Buch verspricht, dass es eine Bilanz zieht. Eine Bilanz von 50 Jahren ökologischem Denken auf der Welt, aber irgendwie ist es dann doch eine Abrechnung geworden. Es wird die Energiewende angesprochen, das Waldsterben, der Tierschutz und eben auch die Gentechnik, die ich oben schon angesprochen habe. Dabei geht es im Buch nicht darum, die Leser von diesen Themen zu überzeugen, sondern es soll mit Mythen aufgeräumt werden, durch welche das Grüne Denken geleitet wird und die oft zu seltsamen Auswüchsen führen, die durchaus auch dem eigentlichen Anliegen, dem Umweltschutz, zuwiderlaufen. Auswüchse, auf die durchaus hingewiesen werden muss, damit der Umweltschutz nicht zu einem totalitären System wird, das am Ende die Umwelt gar nicht schützt, sondern sie weiter zerstört.

Ein Beispiel aus dem Buch soll hier der Biosprit sein. Die Grünen, also die Partei, finden diesen ja irgendwie gut, haben dabei aber übersehen, dass dafür Pflanzen gepflanzt werden müssen, die entweder mit den Flächen für Lebensmittel in Konkurrenz treten, oder aber es wird Wald dafür geopfert, was ja eigentlich nicht das Ziel ist, das Umweltschutz anstrebt. Hier wäre es tatsächlich sinnvoller, diesen Biosprit wieder abzuschaffen, da das wirklicher Umweltschutz wäre. Leider, und darum geht es im Buch, sind Menschen mit grünem Denken hier ziemlich lernresistent und sehen diese Dinge gar nicht.

In Wirklichkeit aber…

Ein solches Buch wäre durchaus interessant gewesen. In Wirklichkeit aber wirkt es dann doch irgendwie wie eine Abrechnung, eine Abrechnung mit den Menschen, die ihre Fehler nicht sehen wollen und die Andersdenkende lieber ausgrenzen, als sich mit den Thesen zu beschäftigen. Damit hätte ich aber noch leben können, Abrechnungen sind nichts schlimmes, aber an einigen Stellen fragt sich der Leser schon, ob hier nicht doch irgendwie auch Lobbyarbeit geleistet werden soll. Wenn zum Beispiel Atomkraft wieder positiv besetzt werden soll, aber nicht erwähnt wird, wie die Endlagerung des Mülls aussehen sollte. Oder wenn darüber gesprochen wird, dass die Unfälle in Atomreaktoren bisher kaum Menschenleben gekostet haben, aber nicht erwähnt wird, dass dafür Zehntausende von Menschen aus ihren Heimatgebieten umgesiedelt werden mussten.

Oder der Hinweis, dass die erneuerbaren Energien sehr viel mehr Fläche brauchen, als zum Beispiel Kohlekraftwerke, ohne aber zu erwähnen, dass für die Gewinnung von Kohle eine Menge Land zerstört wird.

Die Autoren verlangen eine faire Berichtserstattung, bleiben dann aber selbst ziemlich einseitig. Sie fordern, dass die Menschen dem technologischen Fortschritt positiv gegenüber stehen, trauen aber den erneuerbaren Energien nicht zu, dass hier die Nachteile, die durchaus vorhanden sind, durch technischen Fortschritt ausgeglichen werden können. Und sie verheimlichen auch, dass es durchaus interessante Technologien gibt, die im Zusammenspiel mit den erneuerbaren Energien zu einer Versorgungssicherheit führen könnten. Die Vergasung von ungenutzter Energie zum Beispiel. Die nicht nur das Problem der Speicherung lösen kann, sondern auch das Transportproblem.

Das sind nur ein paar Beispiele, die das Buch schon irgendwie seltsam erscheinen lassen und die in mir eine Abwehrhaltung aufgebaut haben. Wenn die Autoren selbst nicht einhalten, was sie von anderen verlangen und wenn sie Dinge verheimlichen, obwohl sie doch im gesamten Buch für Transparenz werben, dann werden sie unglaubwürdig. Denn auch das ist ein Thema, das im Buch vorkommt, ebenso wie die Geschichte der Umwelt-NGOs, die auch eher als Abrechnung rüberkommt und nicht als Aufklärung.

Und diese Unglaubwürdigkeit ist schade, denn das Buch enthält durchaus gute und wichtige Gedanken. Warum wird zum Beispiel Gentechnik verteufelt, obwohl sie doch so vielen Menschen helfen könnte? Sicher gibt es auch Nachteile und sicher muss es eine Abwägung geben, aber eine generelle Verteufelung ist eben doch falsch.

Aber ich möchte auch nicht zu viel verraten, denn die Autoren wollen ja, dass ihr das Buch selbst lest.

Mein Fazit

Ich glaube, ihr könnt aus dem oben Geschriebenen schon herauslesen, dass ich einige Probleme mit dem Buch hatte. Ich hätte mir tatsächlich eine Bilanz gewünscht, also etwas Ausgewogenes, dass alle Seiten anspricht und das nicht nur darauf hinausläuft, die Lösungen der Gegenseite schlecht zu machen. Die Energiewende ist nicht nur negativ und es gibt durchaus Gründe, auf die Atomenergie zu verzichten. Alles hat seine Vor- und seine Nachteile und genau hier hätte ich mir eine ausgewogene Berichterstattung gewünscht. An einigen Stellen kam mir schon der Verdacht, dass die Autoren Lobbyarbeit für Energieunternehmen betreiben, wobei ich den Autoren hier überhaupt nichts unterstellen möchte. In meine Bewertung fliest das allerdings mit ein, und so bekommt das Buch, obwohl es so viele Gedanken enthält, die ich wichtig und richtig halte, nur 2 von 5 Sternen.

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