„Warum ich nicht länger mit Weißen über Hautfarbe spreche“ von Reni Eddo-Lodge

„Warum ich nicht länger mit Weißen über Hautfarbe spreche“ von Reni Eddo-Lodge

Sind wir uns unserer Privilegien, die wir gegenüber anderen Menschen besitzen, eigentlich immer bewusst? Sind wir uns bewusst, dass unsere Hautfarbe oder unser Geschlecht uns Vorteile bringt, sie also zu einer Diskriminierung von Menschen mit anderer Hautfarbe oder mit anderem Geschlecht führt? Ist uns eigentlich bewusst, dass diese Privilegien teil eines großen Problems sind? Wohl eher nicht, denn sonst müssten viele von uns diese Vorteile ablehnen, zumindest dann, wenn mensch meint, eine antirassistischen Einstellung zu haben. Doch wenn vom strukturellen Rassismus die Rede ist, kommen wir schnell in eine Abwehrhaltung. Struktureller Rassismus liegt dann nicht in unserer Verantwortung und davon profitiert haben wir auch noch nie, glauben wir, reden wir uns zumindest ein, denn die Wahrheit sieht wahrscheinlich anders aus.

Nehmen wir ein einfaches Beispiel, ein Bewerbungsgespräch. Zu diesem Bewerbungsgespräch sind zwei Menschen eingeladen. Beide haben dieselbe Qualifikation, bei Person A sind die Qualifikationen sogar leicht besser als bei Person B. Der gravierende Unterschied zwischen Person A und Person B ist die Hautfarbe. Weil Person B weiß ist, bekommt er nach dem Bewerbungsgespräch den Job. Ich gehe in dem Beispiel noch ein wenig weiter, ich gehe nämlich einfach davon aus, dass Person A und B sich kennen. Sie sind nach dem Bewerbungsgespräch gemeinsam einen Kaffee trinken gegangen und dabei hat Person B erfahren das Person A die leicht bessere Qualifikation hat. Person B kann sich, nachdem er die Zusage bekommen hat, denken, dass das aufgrund der Hautfarbe ist und nun hätte er zwei Handlungsmöglichkeiten.

1. Er nimmt den Job an und profitiert vom strukturellen Rassismus, der sich hinter dieser Entscheidung versteckt.

2. Er lehnt den angebotenen Job an und verzichtet auf den Vorteil, den er nur seiner Hautfarbe zu verdanken hat.

Die meisten Menschen werden sich für Möglichkeit eins entscheiden und sicher gibt es auch Argumente, die für eine solche Entscheidung sprechen, aber dieses Beispiel sollte uns bewusst machen, dass wir, auch wenn es gute Gründe gibt, mit dieser Haltung den strukturellen Rassismus in der Gesellschaft stützen, dass wir dadurch unsere Privilegien erhalten. Privilegien die wir nur aufgrund unserer Hautfarbe besitzen. Oder eben aufgrund des Geschlechts denn auch hier lässt sich das Beispiel super anwenden.

Natürlich könnt ihr jetzt sagen, dass das nicht auf euch zutrifft, das ihr gar nicht wisst, wer sich neben euch auf die Stelle beworben hat. Allerdings ist das auch gar nicht nötig, weil ihr eben auch ohne dieses Wissen vom strukturellem Rassismus profitiert, weil ihr dadurch Vorteile genießt und andere dadurch diskriminiert werden. Nur darüber müsst ihr euch bewusst sein und dann versteht ihr nämlich auch Menschen anderer Hautfarbe, wenn diese euch eure Privilegien vorhalten. Dann könnt ihr ihnen zuhören und zustimmen und dann könnt ihr daran arbeiten, diesen strukturellen Rassismus abzubauen und die Gesellschaft besser zu machen.

„Warum ich nicht länger mit Weißen über Hautfarbe spreche“ von Reni Eddo-Lodge

Im Buch „Warum ich nicht länger mit Weißen über Hautfarbe spreche“ geht es genau um dieses Thema. Reni Eddo-Lodge zeigt in ihrem Buch den Rassismus in Großbritannien auf, die strukturelle Diskriminierung von Menschen mit anderer Hautfarbe. Dabei geht sie auf die Geschichte ein, auf den historisch verankerten Rassismus in der britischen Gesellschaft, der für die strukturelle Diskriminierung von Menschen mit anderer Hautfarbe verantwortlich ist. Sie zeigt aber auch, wie sich Menschen, die sich für Fortschrittlich und weltoffen halten, eben auch hinter diesem strukturellen Rassismus verstecken, weil sie diesen nicht wahrnehmen möchten, sie die eigenen Vorteile nicht sehen und ihre Erfolge nur auf die eigene Qualifikation zurückführen. Deswegen gibt es im Buch auch ein Kapitel über den Feminismus, der in Großbritannien wohl häufig immer noch ein weißer Feminismus ist.

Ein wenig Chaotisch – mein Fazit

Insgesamt fand ich das Buch ein wenig chaotisch. Die Gedankensprünge sind ab und an ziemlich schnell und müssen erst einmal in den Zusammenhang gebracht werden. Dennoch gibt das Buch einen super Einblick in die Problematik des strukturellen Rassismus, die so nicht nur in Großbritannien existiert. Von mir gibt es vier von fünf Punkten für dieses Buch und ich hoffe, dass es von vielen Menschen gelesen wird und es den Blick weitet, es zum Nachdenken über eigene Privilegien anregt und es dabei hilft, diese Privilegien zu überwinden.

Titel: Warum ich nicht länger mit Weissen über Hautfarbe spreche
Autor: Reni Eddo-Lodge

ISBN-13: 978-3608504194
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